Das Berufsbild des psychologischen Beraters

Aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung des 21. Jahrhunderts und deren Konsequenzen auf das Individuum ist ein steigender Beratungsbedarf für Menschen in schwierigen Lebenslagen zu erwarten.

Unter der Prämisse, dass der steigende Leistungsdruck, Arbeitslosigkeit, hohe Scheidungsraten, Informationsflut, Kontaktarmut, Kommunikationsdefizite bei parallelem Verlust der familiären und realen freundschaftlichen Umgänge den Menschen stetig mehr belasten, liegt es auf der Hand, dass der Beratungsbedarf wächst.

Immer mehr Menschen genossen eine hervorragende schulische bzw berufliche Ausbildung – wurden jedoch weder vom Elternhaus noch in der Schule gelehrt, die Herausforderungen des alltäglichen Lebens oder gar Schicksalsschläge erfolgreich zu bewältigen.

Diesen Menschen ist in subjektiv belastenden Situationen nicht geholfen, wenn sie eine nicht ausgebildete Person als Ratgeber aufsuchen. Da in der Regel Menschen davon ausgehen, eine Lösung präsentieren zu müssen, sobald sie um Rat ersucht werden, wird die letztendlich Lösung die des Ratgebers sein und nicht die des Ratsuchenden. Was zur Folge hat, dass der Ratsuchende die Lösung nicht oder nicht vollständig in sein Werte- und Glaubenssystem integrieren kann oder will.

Im Gegensatz zu freundschaftlichen Problemlösegesprächen geht es in der psychologischen Beratung um eine objektive, neutrale und wertschätzende Unterstützung des Klienten bei der Klärung seiner Problematik. Der Klient wird durch gewisse Beratungstechniken und gezielte Fragestellungen zu seinen eigenen Lösungsmöglichkeiten geführt. Es ist jedoch Voraussetzung, dass die Lösungsmöglichkeiten immer nur durch den Klienten selbst gefunden werden.

Somit kann die Beratung also im Wesentlichen als eine Lösungen suchende, klärende und unterstützende Interventionsform verstanden werden, die zeitlich begrenzt ist und keine Heilbehandlung psychischer Erkrankungen darstellt.

Generell ist das übergeordnete Ziel der psy. Beratung die Verbesserung der Lebensqualität.

Dies impliziert Beratungsanliegen des Klienten zur Vorbeugung, Klärung oder Linderung von Lebensproblemen, Krisen jedweder Art, inter- und intrapersonelle Konflikte wie beispielsweise Entscheidungsprobleme, Fragen zur Lebensänderung, Themen zur allgemeinen, beruflichen oder familiären Neuorientierung, Belastungen mit dem Altern oder dem Eintritt ins Pensionärs-Leben, Karriereplanung, Optimierung des Führungsverhaltens, Verbesserung der Kommunikation etc.

Die Motivation des Klienten, ein psychologisches Beratungsgespräch in Anspruch zu nehmen, ist zumeist ein aktuelles Problem, das subjektiv als nur schwer lösbar empfunden wird. Der Ratsuchende fühlt sich zumeist orientierungslos, überfordert oder vor einer unüberwindbaren Hürde.

Dennoch fühlt er sich psychisch gesund und erkennt seine Situation durchaus als veränder- und lösbar, auch wenn das subjektive Leidensempfinden durchaus so erheblich sein kann, dass es individuellen Krankheitswert erreicht – auch ohne dass eine psychische Störung vorliegt.

Psychologische Berater verstehen sich auch als Lebensberater und ersetzen teilweise im 21. Jahrhundert de facto die Großfamilie und den Seelsorger des 19. und 20. Jahrhunderts. Sie schließen die Lücke, die im herkömmlichen Gesundheitssystem durch Überlastung der Hausärzte, die früher auch teilweise als Seelsorger fungieren konnten, entstanden ist und unterstützen sicher präventiv die seelische Gesundheit der Klienten.

Lang anhaltende psychische Probleme wie z.B. nicht bearbeitete Konflikte, ständige Überlastung, langandauernde Beziehungskrisen oder mangelhafte Problemlösestrategien, können nahtlos in starke Selbstzweifel, Versagensgefühle und dauerhafte Niedergeschlagenheit übergehen und letztendlich in echte psychische Erkrankungen münden und/oder körperliche Beschwerden fördern oder verursachen, beziehungsweise deren Genesung verzögern.

Sie kann also als bewusste und geplante psy. Beratung und Begleitung von gesunden Menschen jedes Lebensalters in den verschiedensten Problem- und Entscheidungssituationen verstanden werden.

Die psychologische Beratung gibt dem Klienten Anregungen, sich selbst und sein soziales Umfeld besser zu verstehen, individuelle soziale und persönlichen Fähigkeiten zu entdecken und weiterzuentwickeln, wieder im Einklang mit sich und dem sozialen Umfeld zu leben und vor allem wieder auf individuelle Bedürfnisse zu hören und sie umzusetzen!

Die Beratung ist immer ziel- und lösungsorientiert. Sie unterstützt professionell beim Abbau bestehender Probleme, Belastungen und Störungen im Privat-, Partner-, Familie- und Arbeitsbereich. Durch lösungsorientiertes Erarbeiten von Strategien zur Bewältigung von Problemen, Störungen und Belastungen in allen Lebensbereichen kommt es letztendlich zur Stabilisierung, Verbesserung und Aufbau der Lebensqualität des Klienten.

Auf der Website der deutschen Depression Liga werden als wirkliche Ursachen der Depression soziale Faktoren genannt:

“Die Depression ist keine Krankheit, die ausschließlich individuelle Ursachen hat. Vielmehr wird von verschiedenen Seiten ein Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Entwicklungen und der Zunahme depressiver Erkrankungen gesehen. Bei entsprechender Betrachtung kann man sogar fast alle Ursachen der häufigsten Depressionsformen auf soziale Faktoren zurückführen. Wirtschaftliche Probleme, Arbeitslosigkeit oder die Angst davor, Stress im Beruf oder in der Familie, unerfüllbare Hoffnungen und Erwartungen an den Lebensweg, Individualisierung und Globalisierung, Überkomplexität und Unberechenbarkeit sozialer Entwicklungen, Mobilitätszwang oder Perspektivlosigkeit, anonyme digitale Kommunikation oder das Auseinanderbrechen traditioneller Familienstrukturen und Institutionen, Isolation und Oberflächlichkeit – in unserer Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten trotz permanenter Steigerung der volkswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit immer mehr depressiver Sprengstoff angesammelt.”

Es liegt also auf der Hand, dass psychologische Beratungsgespräche bereits bei ersten Auftreten von Arbeitsüberlastung, familiären Problemen, Vereinsamung und beruflichen Problemen durchaus präventiven Charakter haben können. Durch Erarbeiten von Lösungsstrategien bereits beim Erkennen von Lebensproblemen und somit erfolgreicher Bewältigung der belastenden Situation entfällt der Weg in eine Problemspirale – Selbstzweifel und Versagensgefühle bleiben aus – man geht gestärkt aus der Krise. Somit stellt die psychologische Beratung im weitesten Sinn auch eine Health Care-Strategie dar.

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